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6.Juli 1933

Gemeindevorsteher von Wandlitz ins KZ verschleppt

Der Gemeindevorsteher von Wandlitz Karl Jünemann wird ins KZ Oranienburg verschleppt. Er wurde denunziert, weil er im Krämerladen äußerte, Hitler-Anhänger folgten einer Irrlehre.
Der 1881 geborene Jünemann ist nicht irgendwer in Wandlitz, sondern eine kommunalpolitische Instanz: seit 1910 erster hauptamtlicher Gemeindevorsteher, seit 1919 Amtsvorsteher des die fünf Gemeinden Basdorf, Klosterfelde, Stolzenhagen, Wandlitz und Zühlsdorf umfassenden Amtsbezirkes Wandlitz, seit September 1930 Mitglied des Kreistages für die linksliberale Deutsche Demokratische Partei (DDP). Vom kaisertreuen preußischen Verwaltungsbeamten hat er sich zu einem tatkräftigen Demokraten gewandelt. Er machte das märkische Fischer- und Bauerndorf Wandlitz zu einem modernen Landhausvorort und aufstrebenden Ausflugsort im Norden Berlins.
Die Nationalsozialisten setzen alles daran, ihn seines Amtes zu entheben. Bereits zermürbt reicht Jünemann Ende 1932 sein Pensionierungsgesuch ein. Er lässt sich nach der Machtübertragung an die Nazis nicht gleichschalten. Die neuen Machthaber geben sich nicht mit der Absetzung des ungeliebten Kommunalpolitikers zufrieden -, sie wollen seine Vernichtung.
Karl Jünemann wird im KZ Oranienburg gedemütigt und gefoltert. Nach 19 Tagen wird er entlassen und mit seiner Familie aus Wandlitz ausgewiesen. Er darf den Ort nicht wieder betreten. Karl Jünemanns Gesundheit ist vollends ruiniert, seine Seele gebrochen. Ein schweres Nervenleiden stellt sich ein, er erkrankt an Verfolgungswahn. In der Landesanstalt Eberswalde verstirbt er am 21. Januar 1945.

Autorin: Dr. Claudia Schmid-Rathjen, Wandlitz

Anmerkung: Der Artikel ist das kompakte Ergebnis jahrelanger Forschung in Wandlitz. Neben den Archivakten des Brandenburgischen Landeshauptarchives und den Quellen aus dem KZ Sachsenhausen nutzte die Geschichtswerkstatt Wandlitz für ihr Forschungen auch Zeitzeugengespräche.

Karl Jünemann zu Ehren wurde in Wandlitz ein Gedenkstein eingeweiht.